
And Now for Something Completely Different:
erschienen im Münchner Verlag LangenMüller: PUNK STORIES
Hrsg. Thomas Kraft, Alexander Müller und Arne Rautenberg
317 Seiten, ISBN: 978-3-7844-3258-8, 14,99 €
Das Buch funktioniert wie ein 'Tribute to Punk' Sampler: 56 Geschichten von jungen Autoren, die sich im Rahmen persönlicher Erinnerungen oder kleiner Erzählungen ausschließlich mit dem Thema PUNK beschäftigen. Keine Interviews mit großen Punklegenden, keine Heroisierung, keine Ego-Fütterung. Wie bei einem guten Musiksampler ist hier eine erfrischende Vielfalt zu finden: Die eine Geschichte ist hart, schnell und dreckig, die nächste wieder melancholisch und bedächtig, die übernächste vielleicht provokant und politisch. PUNK eben. Mehr zum Buch hier...
Dass ein Großteil der Erzähler und Erzählerinnen ein paar Jahre zu jung ist, um die Ursprungsgewalt in der Entstehungszeit miterlebt zu haben, untermauert nur die Tatsache, dass PUNK nicht 82 verendete, sondern erfahrungsgemäß einfach nicht totzukriegen ist. Das unfassbare Wesen von PUNK ist durch die Individualität der einzelnen Herangehensweisen wunderbar eingefangen, die mannigfaltigen Aspekte von vielen Seiten beleuchtet. Klar geht es um Musik, aber auch um Punk-Inhalte, die persönliche Erfahrung, die eigene Auslegung und entsprechende Umsetzung.
Aus dem Vorwort der Herausgeber: 'Es ist auffällig, dass viele der Erzählerinnen und Erzähler inzwischen im bürgerlichen Leben angekommen sind und auch kein Problem damit haben. Es galt und gilt eben, etwas von der Energie des Punk mit in sein Leben hinein zu retten und damit zu wissen, dass man in der Lage sein kann, gegen den Strich zu bürsten. Das süße Gefühl der Entgrenzung, der Freiheit, der Energie, natürlich auch des Scheiterns - bestenfalls des Scheiterns als Chance - hat Folgen für alles, was folgt. Aus Niederlagen muss man Siege machen, das galt immer. Punk ist mehr, als sabbernd in der Gosse zu liegen und nach Bierbüchsen zu betteln - obwohl das auch lustig sein kann.'
Die Stories drehen sich alle jeweils um eine bestimmte Band oder einen bestimmten Song, die Autoren hatten bei der Auswahl freie Hand. Das heißt, beim Lesen kommt meist wunderbarer- und praktischerweise gleich der passende Soundtrack im Kopf mit hoch, und der reicht von den Klassikern wie Ramones und The Clash über KFC, PIL, Wipers, Dead Kennedys, Black Flag und vielen anderen bis hin zu deutschen Bands wie Palais Schaumburg, Fehlfarben und Hans-a-Plast.
PUNK STORIES ist der Nachfolger der ähnlich aufgebauten Anthologien BEAT STORIES (2008) und ROCK STORIES (2009). Leider wurden die Münchner Autoren aus der frühen PUNK Szene wie Thomas Meinecke, Roderich Fabian, Georg M. Oswald, Karl Bruckmaier und Franz Dobler bereits in den BEAT STORIES verbraten und fehlen mir nun bei den PUNK STORIES ein wenig. Trotzdem: Das Buch macht Spaß - LESEN! (April 2011, Katz)
Inhalt:
Thomas Kraft, Alexander Müller und Arne Rautenberg - Es war einmal 'No Future'
Sven Amtsberg - Wie mein Vater den Punk sterben ließ (The Ramones)
Arne Nielsen - 3000 sind 2998 zu viel! (The Jam)
Lucy Fricke - Ein Drittel Heizöl, zwei Drittel Benzin (Slime)
Micheal Wildenhain - The Loneliness of a Long Distance Runner (Black Flag)
Enno Stahl - Frische Früchte aus der Flasche (Dead Kennedys)
Jan Off - Auf hoher See im Nichtschwimmerbecken (EA 80)
Franzobel - Der gute Mensch aus Essex. Oder: Vom Traum, die Welt zu ändern (Billy Bragg)
Thomas Stangl - Schwarzer Regen (Nick Cave)
Nora Gomringer - Du, du warst Punk (Galloping Elephants)
Marc Höpfner - Jonny Rotten und ich (Sex Pistols)
Annette Mingels - Raum für Helden (The Cure)
Silvia Szymanski - Übach-Palenberg brennt (KFC)
Matthias Schamp - Ausziehen kann sich jeder, aber sich so ausziehen, dass es auch lustig ist - das ist die Kunst! (Die Kassierer)
Yorck Kronenberg - Careering (Public Image Limited)
Martin Brinkmann - Die Süße des Schmerzes (The Wipers)
Christoph Nußbaumeder - Froschberger (NOFX)
Stan Lafleur - Anschwellen und Verschwinden (Hüsker Dü)
Andree Hesse - Autokino (Straßenjungs)
Anne Hahn - Bördeferkel (Schleimkeim)
Roland Spiegel - Der Schmutz, aus dem die Träume sind (The Pogues)
Thomas Kastura - Anarchie im Schuhkarton (Madness)
Thomas Kraft - Bundspechte (United Balls)
Patrick Findeis - Licht an / Licht aus (Bad Brains)
Thomas Lang - Ich kann über Pogo nur aus eigener Erfahrung schreiben (Blondie)
Jakob Hein - Erwachsene erschrecken (Tina has never had a teddy bear)
Jan Faktor - Alles muss in eine tobende Ordnung gebracht werden (Freygang)
Peter Wawerzinek - Wichtig sind die Tage, die unbekannt sind (Brigada S)
Ronald Galenza - Sturm im Gepäck (Der demokratische Konsum)
Ahne - Wie ich wurde, was ich bin (Niveauvoller Jugendtanz)
Jochen Schmidt - Radio Days (Mekanik Destrüktiv Komandöh)
Thomas Kapielski - The Tonekneaters (The Tonekneaters)
Heike Geißler - Haltungsschaden (Throwing Muses)
Alexander Müller - MySpace is wrong (No Means No)
Alexander Pfeiffer - Johnny wird sterben ... aber nicht an Langeweile (The Replacements)
Mirko Bonné - Entflammbare Güter (Stiff Little Fingers)
Thorsten Krämer De Nihilo non est disputandum (Nichts)
Nikolai Vogel - Geldgeil gegen den Strich (Flying Lizards)
Norbert Niemann - Lass dich nicht täuschen (Talking Heads)
Stefanie Richter - Is it really so strange (The Smiths)
Thomas Askan Vierich - Trost durch Traurigkeit (Joy Division)
Frank Apunkt Schneider - Frau Hitler empfiehlt (Palais Schaumburg)
Nora Bossong - Es war einmal Kanada (Jim Gray)
Martin Beyer - Friday, I'm almost dead (but still in love). Die Geschichte einer Verspätung (The Cure)
Marc Fischer - Wovon wir reden, wenn wir von Jonathan Richman reden (Modern Lovers)
Kathrin Röggla - Psykick Dance Hall (The Fall)
Judith Kuckart - Ballettmusik wollte ich schon immer mal schreiben (Einstürzende Neubauten)
Steffen Kopetzky - Zwakkelmanns letzter Lift (Schlaffke)
Eckhart Nickel - Das Konzert auf dem Dach der Welt (Television Personalities)
Hartmut Pospiech - Freund Hein oder Wie mir ein Idol meiner Jugend abhandenkam (Fehlfarben)
Arne Rautenberg - Ich und die Wirklichkeit (DAF)
Ulrich Woelk - Auf dem Vulkan (Hans-a-Plast)
Lutz Seiler - Heavy listening in Edenkoben (Peking im Herbst)
Alexander Posch - Musik perlt durch das Haus (Siouxsie and the Banshees)
Sylvia Geist - Fighting The Law (The Clash)
Lydia Daher - Blitzkrieg Pop (The Ramones)
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