Pearls for Pigs haben sich aufgelöst! Interview mit Gitarrist und Sänger Chris Void 'Tja, unsere Band Pearls for Pigs ist praktisch sanft entschlafen – und ich weiß eigentlich nicht, warum. Naja, doch: letztendlich ist wohl irgendwie die Luft raus gewesen. Vorletztes Jahr, da war das noch ganz anders, da war noch richtig Energie da. Aber nach dem Auftritt in der Muffathalle, da sind dann die Proben ausgefallen, eine nach der anderen, der Ben hatte immer mehr und mehr Schwierigkeiten, was weiß ich. Ich hab ja nicht mal mehr Kontakt mit denen, mit Ben und Gringo. Der Gringo hat sich im August dann mal gemeldet, ne eMail von wegen, 'was ist denn los'?...
... Aber da wollte er im Prinzip auch nur, dass ich seine andere Band oder sein anderes 'Projekt' filme. Der Ben hat irgendwie den Kopf total in den Sand gesteckt, ich weiß nicht, der hat wohl viel zu viel mit seinem eigenen Leben zu tun. Bei mir war es echt so, dass ich schon angefangen hatte, den Tonmitschnitt aus der Muffathalle, das ganze gute Material zu mischen – und irgendwann saß ich da und fragte mich: 'Was mach ich denn da eigentlich? Ich sitze hier herum und arbeite und keiner sagt 'Danke!' – nicht mal das! Keiner sagt 'gut' oder 'schön'... Und sonst kam auch nichts mehr. Dann kam auch so überhaupt kein Feedback von irgendwelchen Leuten, gar nichts, da war nur noch Leere. Mir ist das dann wirklich aufs Gemüt geschlagen und irgendwann ist das auch körperlich geworden, diese ganzen Psycho-Geschichten. Ich hatte nicht mehr die Kraft oder die Lust, die Leute zu motivieren, ständig zu sagen: 'Was ist los, was machen wir? Wir haben da ein neues Album rausgebracht, das muss raus!' Das muss doch auch irgendwie ein bisschen von den Leuten selbst kommen, oder? Ich kann einfach nicht alles alleine machen, und ich habe wirklich ALLES gemacht. Im Juli bin ich aufgewacht in der Früh irgendwann, ich war erst mal ziemlich fertig und völlig frustriert und auch richtig aggressiv drauf. Das hat mir selbst auch so geschadet, da hab ich mir gedacht: 'das kann es doch nicht sein!' Irgendeiner muß dann sagen: 'Nein, das war’s!'
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Probleme
'Zum einen war das mangelnde Engagement der Bandmitglieder schuld an unserem Ende, zum anderen aber auch das fehlende Feedback von den Leuten, von Labels zum Beispiel. Da war nichts, die tun immer so, als gäbe es Millionen bessere Bands – aber das glaube ich nicht. Wir hätten ein Kindermädchen gebraucht, einen richtigen Manager. Das wär’s gewesen, jemand, der ein bisschen von der Drecksarbeit wegnimmt, womit sich eine Band einfach nur aufhält. Wenn du als Band mit Veranstaltern telefonierst, das ist nicht grad kreativ. Das wird dir jeder Musiker sagen, die meisten können sich auch nicht richtig gut vermarkten. Ich mein, was willst du auch, du musst zum Veranstalter hingehen, ihn überzeugen und sagen: 'Hey, die Band ist total super, die Tollsten, die Besten.' Und dann meint der Veranstalter: 'Mei, bist du bei der Band, ja dann…' Wenn da ein Manager anruft, ist das was ganz was anderes, als wenn der Band-Depp selbst anruft. Moralisch ist das Ganze nicht so political correct, wie das die Leute gerne hätten und wie sie alle immer tun. Im Endeffekt funktionieren im Punkbereich die ganzen Statussymbole genauso.
Gringo, Bild: Norbert Pirzer
Keiner möchte mehr Festgagen zahlen, am besten sollen die Bands umsonst spielen oder gegen Spritkohle. Als Veranstalter muss ich mir aber immer im Klaren sein, dass die Band Kohle zu kriegen hat, völlig klar. Ich kann doch wirklich nicht davon ausgehen, dass die alle umsonst spielen. Aber es gibt auch immer noch genug Bands, meist junge Bands, die umsonst spielen, für Spaß halt. Es gibt auch viele ältere Bands, die finanziell abgesichert sind, die sich diesen Spaß dann auch leisten können, die machen das dann wie ein Hobby. Das ist ja nicht verwerflich, aber da können wir halt nicht mithalten. Beim Gringo, der legt als DJ auf – und zwar immer am Freitag und am Samstag. Wenn wir Freitag oder Samstag spielen, dann fehlen ihm die Einnahmen als DJ wirklich für die Miete. Wir sitzen halt in dieser Falle mit drin, dass wir überleben müssen, und wir sind nun mal keine Kiddies mehr. Da gibt es keine Eltern mehr, die das Ganze auffangen. Wir krebsen ja alle nur so rum… Für Kiddies ist das alles auch noch sensationell, aber nach dem zehnten, zwanzigsten Konzert, da ist zwar alles noch toll, aber du überlegst dir schon: 'Mensch, das letzte Mal hab ich draufgezahlt, das vorletzte Mal hab ich auch schon draufgezahlt…' Ich hab einmal ein Konzert im Substanz nachgerechnet, was hatten wir für Unkosten, was haben wir eigentlich daran verdient und so weiter. Naja, letztendlich konnten wir uns jedem 17 Euro ausbezahlen. Da kommen Kosten für die GEMA, Miete für PA, Kosten für den Fahrer, fürs Benzin, für den Mischer, dann ist dem Ben das Fell von der Bass-Drum gerissen, das kostet auch nen Haufen Geld, ein Satz Saiten für die Gitarre kostet fünf Euro, ein Satz Bass-Saiten kostet 30 Euro, Sticks kosten einen Zehner… Selbst wenn man das Billigste vom Billigsten nimmt, hast du einfach laufende Kosten. Bei einer Countryband zum Beispiel ist das anders, die kannst du leicht buchen und überall spielen lassen. Die hält mal schnell den Hut auf, das ist alles leichter zu handhaben, die haben auch nicht viel Equipment. Diese ganzen Folk- und Blues-Clubs, wo ich jetzt auch ein paar Male gespielt habe, die zahlen dann aber auch gut. Das ist meistens ein älteres Publikum, die wissen halt, wie es ist, die kennen dieses ganze Platten- und CD-Gedöns, und die zahlen auch, da legt auch das Publikum noch was hin, weil die den Gegenwert noch sehen, nicht nur diese Konsumhaltung. Die Leute wollen alles umsonst haben. Ich weiß nicht, wenn ich jetzt so 15, 16 wäre, ob ich anders wäre, das ist schwierig, weil die ganze Gesellschaft heute so ist. Wenn ich sehe, ich kann mir Filme übers Internet anschauen, bevor sie ins Kino kommen, weil sie irgendjemand runtergerippt hat, oder kann mir die Platte schon irgendwo runterladen, bevor sie überhaupt rauskommt – das ist klar, da siehst du den Gegenwert einfach nicht mehr, dass da unglaublich viel Arbeit und auch Geld dahinter steckt. Wenn das nur noch auf der Schiene läuft, dann geht das nicht mehr, dann wird sich das alles nicht mehr finanzieren. Das ist natürlich doof. Es hält sich ja nur noch, weil die Musiker so idealistisch sind und so viel Spaß dabei haben und auch was machen. Aber wie gesagt, über längere Zeit geht das nicht – so zwei, drei Jahre ist das wurscht, da kann man das machen. Das Jammern nervt mich total, das hat für mich nichts mit Punkrock zu tun. Gerade am Anfang meiner Punkzeit musste ich mir viel verkneifen, weil ich kein Geld hatte. Michi (Pisswürfel) meinte letztens, ich hätte große Lücken in meiner Plattensammlung. Ja, mein Gott, die Platten, die ich damals gern gehabt hätte, die konnte ich mir damals nicht leisten. Aber ich war doch nicht irgendwie angepisst, ich hab mir halt gedacht, na ja, schade. Wir sind damals auch vor Konzerten rumgelungert und haben gewartet, ob wir so irgendwie reinkommen, das ist normal. Aber wenn es ein wichtiges Konzert war damals, dann haben wir uns das alles eben abgespart. Und ich hab mir die Sachen rausgesucht, die mir wichtig waren, dafür hab ich mir dann Kohle auf die Seite gelegt und eben auf andere Dinge verzichtet. Ich hatte allerdings auch keine laufenden Kosten für Handy und Internetanschluß, das sind doch für Jugendliche riesige Beträge, wenn man sich das überlegt. Ich kann heute immer noch ohne Handy leben, das spart mir einen Haufen Kohle, glaub ich. Ich bin erreichbar, ich habe ja einen AB. Dass die Leute wenig Geld haben, okay, aber jeder, der arbeitet, einen Job macht, der möchte ja auch dafür bezahlt werden. Nicht, dass ich das Musikmachen an sich als Job sehe, aber all das Außenrum, was die Leute nicht wahrnehmen, das ist tatsächlich ein Job. Ich hab die ganzen Sachen, die du nebenher finanzierst, wie Flyer machen, Demo-CDs machen, die Filmchen und so weiter, die hab ich ja selbst gemacht, aber wenn du Material kaufst im Laden, die wollen ja da auch Geld dafür. Und der Proberaum kostet auch Geld, der hat uns im Jahr 1800 Euro gekostet. Das hat sich in den letzten paar Jahren verändert, mit den Pearls for Pigs konnten wir uns anfangs wirklich gut über Wasser halten. Da gab es ab und zu auch noch Festgage, da ist wirklich was reingekommen, dann kamen auch noch Leute, die damals glaub ich auch noch ein bisschen konzertfreudiger waren… Da war das so, dass sich das alles selbst finanzieren ließ. Da gab es was für den Proberaum, das Auto war bezahlt meistens und die erste CD, die haben wir selbst finanzieren können.'