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Interview mit Screed
Montag, den 05. Oktober 2009 um 00:00 Uhr
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Interview mit Screed
Kalifornischer Punkrock aus Upper Bavaria?
Die erste Screed CD 'Indiscreed'
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bandfoto-kNachdem hier vor ein paar Monaten eine vielversprechende DEMO-CD der Münchner Band SCREED im Briefkasten lag, mit der Botschaft 'Wir wollen spielen, spielen, spielen!' und rundum rasend schnell etliche Konzerttermine für die Band vermeldet wurden, war ich sehr gespannt, was die vier sympathischen Jungs auf der Bühne präsentieren. Zum ersten Mal erwischte ich sie live bei der Soilent Gelb Punkwiese im Sunny Red, danach gleich noch einmal bei der Midnight-Gig Reihe im Backstage. Mit Screed hat München eine junge Band, die fetzigen, frischen Punkrock macht - unbedingt hörenswert! Die Band bringt ihre erste Veröffentlichung im Eigenverlag an den Start, mit Release-Konzert am 16.10.09 in der Münchner Tonhalle. Hier ein Interview vom 03.10.09 ...

Die Band zum Thema Punk, München und Punk in München

Dieses Interview erscheint auf der Punk-in-München Seite, daher lauten die ersten paar Fragen:  Was fällt euch zum Thema Punk ein? Was zum Thema München? Und was schließlich konkret zum Thema Punk in München?
Stocki (Bass / Gesang): Punk ist für mich in erster Linie die Musikrichtung, das stockibedeutet für mich am meisten, und in dem Sinne ist Punk für mich also ‚Punkrock’. Früher, so mit 14, da war ich wirklich so ein kleiner Punk, da bin ich mit gefärbten Haaren durch Würzburg gerannt. Irgendwann dachte ich mir aber: ‚Naja, die ganze Rebellion, das ist ja alles schön und gut...’ – und mit zunehmendem Alter, ich bin jetzt 27, da bin ich dann etwas gesetzter geworden... Aber die Musikrichtung, das ist mir auf jeden Fall geblieben. Was kann ich zu München sagen, hm. Von außerhalb hört man ja immer, dass in München alle so oberflächlich sind, alle sind Snobs und so weiter – aber sobald man in München wohnt, merkt man, dass es eigentlich gar nicht so ist. Klar, es gibt immer ein paar Leute, wo man sicht denkt: ‚Mensch, mit dem kann ich jetzt einfach nichts anfangen, das ist ein Schnösel – oder sonst was.’ Aber generell ist München eine schöne Stadt zum Leben, ein bisschen teuer vielleicht... Ich mag München auf jeden Fall, ich lebe jetzt seit sechs Jahren hier. Was ich an der Punkszene oder an der Punkmusik-Szene in München schade finde ist, dass es wenige englischsprachige Punkbands gibt. Ich habe das Gefühl, das beschränkt sich hier hauptsächlich auf den Deutsch-Punk – das finde ich sehr schade, denn ich kann mit englischsprachigem Punk einfach viel mehr anfangen. Ansonsten – na ja – wenn man mal weiß, wo man hingehen kann, ist die Szene hier schon ganz schön. Es gibt so ein paar Orte, wo man immer wieder mal gerne hingeht, zum Beispiel das Kafe Marat...
Flo (Gitarre / Gesang): Punk ist auch für mich hauptsächlich die Musik, und nicht unbedingt mehr die Aussage dahinter oder sagen wir mal: die Inspiration für Punkmusik,flo die damals so dahinter steckte, als alles in den Anfängen war. Bei mir war es so, dass ich über meine älteren Brüder in den 80er Jahren so Sachen wie die Toy Dolls mitbekommen habe. Das war Musik, die mir damals schon sehr gut gefallen hat – und da bin ich dann drauf hängen geblieben. Später, in den 90ern, kamen dann NOFX, Lagwagon, Pennywise – die ganzen kalifornischen Punkbands eben dazu. Das hat sich so durch meine ganze Jugend gezogen, hatte ja eigentlich in der Kindheit schon angefangen... Es ist so, dass mir wirklich eher die Musik gefällt, dass ich nicht unbedingt sagen würde: ‚Ich hab jetzt da auch eine politische Ausrichtung gefunden, der ich mich total anschließen würde.‚ Bei mir steht die Musik im Vordergrund. Natürlich habe ich kein Problem damit, wenn Leute im Punk diesen politischen Hintergrund finden und vertreten. Aber, was ich schade finde – und damit sind wir auch schon beim Thema Punkszene in München: Wenn ich auf Konzerte gehe, werde ich manchmal schon despektierlich angeschaut, nach dem Motto ‚Was willst denn du Spießer hier!’ Das finde ich wirklich schade, dass das so läuft. Ich bin auf vielen Konzerten, gehe viel auch selbst so weg – das ist nur sehr blöd, dass man sich allein wegen seines ‚normalen’ Aussehens dann wirklich ein bisschen ausgeschlossen vorkommt. Ich finde, das ist auch eine Uniformierung, so muss man aussehen, sonst gehört man nicht dazu oder was... Das will ich nicht, ich will ich selber sein. Die Leute sollen mich so tolerieren, wie ich bin. Zu München grundsätzlich: Das ist die Stadt, in der ich geboren und aufgewachsen bin, ich bin ziemlich extrem ‚München-Fan’. Konkret komme ich aus Moosach – bin sozusagen auch ‚Moosach-Fan’…
Achja, mein Alter: ich bin 29.
Mark (Schlagzeug): Bei mir ist es so, dass Punk auf jeden Fall eine Lebenseinstellung ist und die Punkmusik auf jeden Fall das Mittel, um diese Lebenseinstellung unters Volk zu bringen. Punkmusik hat für mich mit 14 angefangen, da bin ich in die Punkszene gekommen – das war’s dann. Angefangen hab ich mit Deutschpunk, danach bin ich auch zum englischsprachigen Punkrock gekommen. Ich bin dementsprechend mit Iro rumgelaufen und – na ja – mit allem, was halt so dazugehört. Irgendwann, so mit 18, hab ich mir den Iro markabrasiert, bin ein bisschen neutraler geworden und hab mich auch um andere Sachen in meinem Leben gekümmert – statt immer nur zu trinken oder sonst was zu machen. Punk in München – das ist schwer zu sagen. Ich bin erst vor eineinhalb Jahren nach München gekommen, stamme aus Arnsberg, das ist so 50 Kilometer südlich von Dortmund, also grob gesagt Ruhrgebiet, aber da möchte ich mich eigentlich nicht dazuzählen lassen, denn das ist ja schon Sauerland... Im Sauerland, da gibt es ziemlich viele Punks. Man wird zwar überall blöd angeschaut, aber irgendwo respektieren einen die Leute einfach. Punk in München, das sieht man sehr, sehr wenig! Also, wenn ich so durch München laufe, ich glaub, ich hab echt in den eineinhalb Jahren nur drei oder vier Punks gesehen. Gut, wenn man am Tierpark, an der Isar spazieren geht, da sieht man die Kiddies dort rumhängen – aber es ist eben nicht wie in Berlin oder Hamburg oder Köln. Dementsprechend kann ich Punk in München relativ schlecht beschreiben, ich finde, Punk ist hier nicht up front, ist nicht repräsentativ. Ich finde das ehrlich gesagt ein bisschen schade, aber vielleicht liegt es auch daran, dass München so als ‚schicki-micki’ betitelt ist. Das war das Erste, was ich gedacht hab, als ich hierher kam: ‚Oh Fuck, die totale Spießerstadt – magst du hier überhaupt wohnen?’ Mittlerweile will ich hier überhaupt nicht mehr weg, ich fühl mich hier wohl, ich habe in den eineinhalb Jahren auch Leute kennen gelernt, die mir echt ans Herz gewachsen sind, mit denen ich mich super verstehe. Man muss irgendwie erstmal länger hier sein, um quasi Anschluss zu finden und um akzeptiert zu werden.
Ich bin der Jungspund der Band, 22 Jahre jung.
Benni (Gitarre / Gesang): Ich bin - ähnlich wie der Stocki - so mit 12, 13, 14 Jahren mit Iro und Lederjacke und allem, was dazu gehört rumgerannt. Ich bin ursprünglich aus Karlsfeld, bin da über die Skaterszene so in den Punkbereich reingekommen. Hab Mitte bennibis Ende der 90er Jahre auch angefangen, das ganze kalifornische Punkzeug so ziemlich alles abzugrasen. Relativ bald hab ich dann damit angefangen, selbst Punk zu machen, also selbst in Bands zu spielen. Zum Abi hab ich dann eine kleine Pause mit Bandtätigkeit eingelegt, und bin in der Zeit auch etwas gesetzter geworden, was Kleidung und ähnliches betrifft. München ist meine Heimatstadt, auch wenn ich eigentlich Dachau zugehörig wäre, fühle ich mich doch München sehr viel mehr verbunden. Zur Punkszene in München, die find ich eigentlich ziemlich cool, auf Konzerten und so trifft man immer relativ sympathische Leute. Der einzige Wermutstropfen ist, dass man ab und zu wirklich das Gefühl hat, dass die Toleranz, die gepredigt wird, nicht tatsächlich umgesetzt wird von den Leuten selbst. Das heißt, man wird schon ein bisschen komisch angeschaut, wenn man zum Beispiel nicht mit den abgefucktesten Klamotten ankommt oder so. Wenn das Eis mal gebrochen ist, wenn man dann mal ins Gespräch gekommen ist, dann ist das aber immer wieder super – da kann man überhaupt nichts sagen.

Mark (Schlagzeug): Also das mit den Vorurteilen, von wegen: ‚Hey, du siehst nicht aus wie ein Punk, also verpiss dich!’ – also das kann ich leider nur bestätigen. Gerade, wenn man nicht Punkrock-like aussieht, also Skater, Hip-Hop, normal oder was immer, wird man schon schnell komisch angeschaut und auch nicht wirklich akzeptiert. Wenn man aber mit älteren Leuten zu tun hat, die früher auch als Punks rumgelaufen sind, mit Nietenjacke, gefärbten Haaren, Iro und so – die hatten damals alle ihren eigenen Style, im Gegensatz zu dem, was heutzutage eben teilweise zu sehen ist. Man putzt sich heutzutage total raus als Punker, Hauptsache, der Iro steht top, Hauptsache auffallen. Aber wenn man mit älteren Leuten zu tun hat, da merkt man, dahinter steckt verdammt viel mehr als einfach nur das Aussehen. Es geht um das, was im Kopf los ist, und nicht nur darum, was man nach außen trägt. Deshalb finde ich es wirklich blöd, dass man in der Szene teilweise eben nicht akzeptiert ist, weil man normal aussieht.



 
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